Besprechnungen

2019

Nie kitschig, fast zu knapp in der Wortwahl, Sätze, Satzfetzen: Ich folge dem Dichter, dem Protagonisten durch Höhen und Tiefen und – das mag meiner Berufung geschuldet sein – mir fallen ständig Psalmverse ein, Prophetenworte und schließlich auch: Worte Jesu. Die herbe Lektüre hat mich gepackt, weil sie mich mitnimmt zu den unlösbaren Fragen der Welt: Warum Leid? Wozu Leid? Warum kann es nicht verhindert werden, wenn man es doch kommen sieht? „Die Steine ächzen. Gott ist erledigt, ich wusste es doch.“

Br. Paulus Terwitte

www.liebfrauen.net

2016

Ralph Roger Glöcklers Texten begegnen sich das digitale Zeitalter und die Postmoderne. Wirklichkeit wird radikal hinterfragt. Da sind sechs Novellen, beginnend mit dem "Bericht in eigener Sache" über eine Partnervermittlung, die ein tödliches Ergebnis zeitigt. Die Partnerin, die dem Kunden, genannt "KyO" oder kurz "T", im wahrsten Wortsinn wie ein Hologramm vorschwebt, bleibt virtuell. Ab und zu nimmt der Ich-Erzähler ihre Gestalt an, schlüpft in ihre Rolle, um dann den Auflösungsprozess in die Desillusionierung noch voranzutreiben, bis der Kunde daran zerbricht und sich ebenfalls zersetzt. Eine düstere Arbeitswelt wie bei Franz Kafka wird gezeichnet, nur dass es kein mit Holzmöbeln ausgestattetes Comptoir mehr ist, sondern eine metallisch oszillierende Agentur mit Monitoren.